Das flüssige Licht der Ägäis


Hier lagerte nur das allerbeste Olivenöl.
Hier lagerte nur das allerbeste Olivenöl.

„Der Ölbaum liebt das Meer und das Kalkgebirge. An der ehemals griechischen Küste Kleinasiens, auf den Inseln und in Griechenland selbst wuchs der wilde Ölbaum, der denn auch in den homerischen Gedichten öfters erwähnt wird.“ Victor Hehn

 

In einem ernährungswissenschaftlichen Lehrbuch las ich den folgenden Satz: „Und die Fette (...) bleiben sogar im Magen im Wesentlichen unverändert. Sie werden erst (...) im Dünndarm in Fettsäuren und Glycerin gespalten. Sie sind augenscheinlich dem Inneren des Menschen am wenigsten fremd.“ Gerhard Schmidt, Dynamische Ernährungslehre, 1979

 

In der mediterranen Ernährung ist man sich dieser Tatsache, vielleicht auch unbewusst (?), sehr bewusst. Keine Mahlzeit ohne Olivenöl. Es gibt sogar eine Sprichwort, das sinngemäß übersetzt lautet: „Das Olivenöl ist es nicht, was dick macht.“ Darin spiegelt sich der in Bezug auf die verwendeten Mengen oft großzügige Umgang mit dem Olivenöl bei der Zubereitung der Nahrung.

 

Und die Griechen haben Recht! Die UNESCO hat die mediterrane Ernährung 2010 als immaterielles Weltkulturerbe anerkannt. Schwieriger Begriff, umstritten natürlich auch, aber aus unserer Sicht - die sowohl den Blick in einen griechischen Kochtopf als auch den Blick (beim anschließenden Verzehr) aufs Mittelmeer einschließt - berechtigt.


 „So gehört der Mittelmeerraum tatsächlich dem Olivenbaum und darf als charakteristisch für dieses Klima angesehen werden. (...) Es ist, als ob sich in diesem Mittelmeerraum ein Abbild der beiden menschlichen Polaritäten, des zur Kühle neigenden Gehirns und des feuerwirkenden Stoffwechsels zu einem merkuriellen Ausgleich gefunden hätten. Die Herzkräfte, die menschliche Mitte, scheint in dieser Ölbaumlandschaft ihre Verkörperung gefunden zu haben. Erden- und Sonnenkräfte sind versöhnt, irdische und kosmische Wärme durchdringen sich.“ Gerhard Schmidt


Auch in seiner ernährungswissenschaftlich analysierten „Komposition“ kann das Olivenöl als das „Öl der Mitte“ bezeichnet werden. Es weist einen hohen Anteil an einfach ungesättigten Fettsäuren und einen geringen Anteil an gesättigten Fettsäuren auf und nimmt somit eine Mittelstellung zwischen den Extremen der gesättigten und mehrfach ungesättigten Fettsäuren ein. „Zum Menschen hat es insofern eine deutliche Beziehung, als sein Schmelzpunkt dem der menschlichen Fettbildung nahe steht und die Zusammensetzung des Unterhautfettgewebes etwa derjenigen des Olivenöls entspricht inbezug auf das Fettsäuremuster.“ Gerhard Schmidt


Nicht nur in der Ernährung, auch in der Körperpflege und Gesundheitsprophylaxe hat sich Olivenöl einen festen Platz gesichert. Schon im klassischen Griechenland wurde das Olivenöl wegen seiner einhüllenden, schützenden und wärmendem Kraft geschätzt. Demokrit von Abdera antwortete auf die Frage, wie man gesund bleibe und alt werde, mit der der Regel: ,innerlich Honig, äußerlich Öl‘.

 

„So erweist sich überall das Olivenöl als das Öl der Mitte, des Ausgleichs, der Milde, der Besänftigung von Hitze und Kälte; es ist tatsächlich ein wahrhaft merkuriales Öl.“ Gerhard Schmidt

 

In Griechenland ist der Olivenbaum DER Begleiter im Alltag. Der Baum liefert den Grundstoff für die vielen Holzschnitzer, nach dem jährlichen Baumschnitt das Futter für die Ziegen und Schafe, grundsätzlich das Öl für die beiden wichtigsten Aufenthaltsorte: Küche und Kirche (verwendet wird Olivenöl bei der Tauf-Zeremonie der orthodoxen Kirche und für die ewigen Lichter in den vielen Kirchen und Kirchlein) - welche Rolle spielt das Olivenöl eigentlich im dritten „K“ - im Kafenion, dem traditionellen griechischen Kaffeehaus? - sowie eine nicht wegzudenkende „Zutat“ jeder griechischen Landschaft, insbesondere auf den griechischen Inseln und auf dem Festland in Küstennähe.


„(...) daß die Olive sich nicht weiter von der Küste als 300 Stadien (oder 7 1/2 geogr. Meilen) entferne, wie Theophrast meinte, ist nicht buchstäblich, sondern nur in dem Sinne richtig, daß sie den Anhauch des mittelländischen Meeres liebt (...).“ Victor Hehn
... wer liebte das nicht?